Es kümmert mich nicht mehr. - Ein Beitrag von Mathias Lederer. - Robert Kraxner

Es kümmert mich nicht mehr. – Ein Beitrag von Mathias Lederer.

Der Ausgangspunkt, der mich zum Bloggen geführt hat, war die Schaffung eines Feldes, einer Umgebung, in der ich mich wohlfühle und in der ich einfach ich selbst sein kann und dabei einen positiven Einfluss auf meinen Mitmenschen bewirken kann. Der Schlüsselmoment dafür passierte, als Robert mich im November 2016 nach Berlin zum Expedition Sinn Treffen eingeladen hat. Ich bemerkte, wie glücklich ich an diesem Wochenende war, unter Leuten, die über sich selbst und das Leben reflektieren und vor allem selbstständig ein Projekt auf die Beine stellen (wollen). Projekte, die letztendlich einen guten Beitrag für die Allgemeinheit darstellen. Von da an wusste ich es: Genau das möchte ich auch machen.

Von nun an galt es, aus meinem Leben mit einer geringfügigen Behinderung endgültig einen Vorteil zu ziehen und der ganzen Welt darüber zu berichten. Vielleicht ist es für dich, auch wenn du keine Behinderung hast, nachvollziehbar, dass dieser erste Schritt kein leichter ist. Viele von uns hadern zumindest manchmal mit sich selbst und machen sich sehr viele Gedanken darüber, was andere über uns denken.

Dies war auch einer von mehreren Gründen, warum ich früher auf Sozialen Netzwerken viel mehr zurückhaltender war, als ich es heute bin. Weil ich es mir angewohnt hatte, nicht gerne im Rampenlicht zu stehen und beurteilt zu werden. Und nun sollte der stille Mathias der Öffentlichkeit über seine persönlichen Betrachtungen, Herausforderungen und Erkenntnisse berichten. Ein Glück, dass jeder Text zuerst in einem Word-Dokument oder auf einem Blatt Papier entsteht. Das erzeugt für mich einen Rahmen, der einerseits Sicherheit ausstrahlt und andererseits sehr viel Raum zur Selbstreflexion gibt. Du verbringst auf einmal mehr aktive Zeit mit dir selbst. Du erlebst Einsamkeit, Isolation und Angst. Dazu anmerken möchte ich, dass ich alleine in einer Wohnung lebe.

Rückblickend betrachtet habe ich das Gefühl, aufgrund dieses erschaffenen Raumes bestimmte Erlebnisse in meinem ersten Schreibjahr 2017 in der Intensität überhaupt erfahren haben zu können. Weil ich auch dank dieses Kanals, wo ich meine Emotionen verarbeiten habe können, dazu bereit war. Ich habe gelernt, Texte nur für mich selbst zu schreiben, wenn ich es brauchte. Es gibt immer einen Weg, aber zu dieser Zeit war es für mich die offensichtlichste Spur im Schnee oder im Sand.

Also habe ich meine ersten Texte, die ich zu teilen beabsichtigte, auf meinem Blog gepostet und mit jedem Mal habe ich über Reaktionen von Außen weniger nachgedacht. Und weißt du was passiert, wenn du diese Sorgen abgibst? Sie kommen in Form von Geschenken wieder zurück.

Wie Überraschungseier. Nein, ich habe bis jetzt noch kein einziges zu diesem Anlass bekommen und wünsche mir auch keines. Ich meine den vergleichbaren Effekt, wenn du die Gedanken über mögliche Folgen loslässt. Ich wurde von Menschen aus meinem weiteren Umfeld auf diese Artikel angesprochen, von denen ich es nie erwartet hätte. Es haben mir Leute gratuliert, von denen ich nicht geglaubt habe, dass sie sich dafür interessieren. Mein Selbstbewusstsein und mein Mut zu radikalen Schritten haben sich dadurch gesteigert. Was andere über mich denken, kümmert mich nicht mehr so wie früher.

Ich habe gelernt, dass ich mit authentischen Berichten über mein Leben und meinen Erfahrungen andere Menschen, die vielleicht ein komplett anderes Leben führen, bewegen kann. Es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, dass mich das kalt gelassen hätte. Ich war und bin sehr dankbar dafür. An meiner Schreib- und Herangehensweise nahm dies aber keinen Einfluss. Sehr wohl taten dies bestimmte Erlebnisse auf zwischenmenschlicher Basis, die dadurch erst zur Entfaltung kamen, wie ich bereits vorher erwähnt habe.

Es sind auch Texte entstanden, die bewusst nicht für die Öffentlichkeit bestimmt waren, sondern mir eine persönliche Verarbeitung von Gefühlen, wie etwa Liebeskummer oder Einsamkeit, ermöglicht haben. Dabei ließ ich mich unter anderem von Lyrik und Musik inspirieren und daraus entwickelten diese Texte ihren ganz eigenen Stil. (Ein veröffentlichtes Beispiel dafür findest du hier.)

In dieser Zeit, als ich eben mehr oder fast ausschließlich für mich selbst geschrieben habe, sind folglich keine neuen Blogartikel entstanden. Anfangs hat mich das gestört, aber mit der Zeit kam die Erkenntnis, dass Blogschreiben immer ein wechselnder Prozess ist, vor allem bei einer persönlichen Ausrichtung. Das geht nun mal nicht auf Knopfdruck. Wenn alles unbeeinflusst, mit ständiger Aufmerksamkeit seinen Lauf nimmt und die Dinge einfach fließen können, lösen sich die meisten Probleme nach einer Weile von sich selbst auf.

In unserer heutigen Welt der Globalisierung sehe ich es als problematisch, dass Perfektionismus so einen hohen Stellenwert hat. Dieses Phänomen beginnt in der Obst & Gemüse-Abteilung im Supermarkt und hört bei Dienstleistungen, wie etwa Coaching, auf. Es wird ein makelloses, vollendetes, fertiges Produkt – am besten präsentiert am Silbertablett auf einem goldenen Teller – erwartet. Die Frage dabei, wie sieht es im Inneren des „Produktes“ aus? Hält es das, was es verspricht? Mit welcher Qualität ist es entstanden?

So verhält es sich auch beim Blogging. Es ist meiner Ansicht nach nicht authentisch, auf Teufel komm raus ständig neue Blogposts zu veröffentlichen, nur damit du jederzeit aktiv bist und nicht vergessen wirst. Es ist meiner Meinung nach auch nicht authentisch, ständig neue Instagram-Fotos zu posten und der Internet-Gemeinschaft deine heile Welt vorzugaukeln. Wenn du deine Prozesse und kreativen Pausen zulässt, entstehen mit der Zeit ganz wundervolle Artikel mit einer dementsprechenden Energie. Und ich bin auch zurückgekommen. Immer wieder. Sozusagen ist jetzt für mich jeder neue Artikel ein Comeback. Weil ich mich jedes Mal wieder verändert habe. Weil die Essenz jedes Mal eine andere ist.

Und weil ich es zugelassen habe, dass ich grundsätzlich frei bin. Frei von den Gedanken und Urteilen der anderen. Und auch von meinen eigenen. Weil es mich nicht mehr kümmert.

Mathias Lederer
(www.authentisch-sein.at)

Bemerkungen von Robert:

+ Ich möchte es nicht versäumen, Mathias vorzustellen und ein paar Worte über ihn zu schreiben. Mathias und ich haben uns 2015 in Wien kennengelernt. Seither schätze ich ihn als Menschen, der authentisch seinen Weg geht und bereit ist, seiner Lebensvision immer näher zu kommen. Für mich ist er dadurch ein Leuchtturm bzw. Vorbild und ich bin überzeugt, dass er das für immer mehr Menschen sein wird.

Wenn du mehr von Mathias lesen möchtest, besuche seinen Blog. (www.authentisch-sein.de)

+ Wenn du dich aktiv mit Menschen aus der Expedition Sinn austauschen möchtest, komme am besten in unsere Facebook-Gruppe. Dort haben sich bereits über 250 Menschen gefunden. Hier geht’s zur Facebook-Gruppe der Expedition Sinn.

About the Author

Robert Kraxner gilt als junger Inspirator, der nichts als gegeben hinnimmt und neue Wege jenseits der Norm eröffnet. Zu seinen Kunden zählen entwicklungswillige Querdenker und Unternehmen, die jenseits der bestehenden Paradigmen agieren möchten. Vita: https://www.robertkraxner.com/vita

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