Leid und Frust im Berufsleben – eine Frage der menschlichen Würde

Leid und Frust im Berufsleben – eine Frage der menschlichen Würde

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Was ist es, das so viele Menschen unzufrieden sein lässt in ihren Jobs? Woher kommt das subtile Gefühl, ein moderner Sklave zu sein, der frustriert am Schreibtisch sitzt, während die Frage nach dem Sinn ungeklärt bleibt? Worauf ist es im Kern zurückzuführen, dass Menschen wie leblose Silhouetten zur Arbeit fahren und die Lebensfreude bis zum nächsten Wochenende geparkt wird?

Als Antwort ließe sich eine lange Liste von Umständen aufführen. Nervige Kunden, lahme Kollegen, zu wenig Geld und zu viel Stress.

Damit möchte ich mich an dieser Stelle nicht zufriedengeben und einen tieferen Blick wagen – einen, der unsere Aufmerksamkeit auf das subtile Wesen unserer menschlichen Würde lenkt.

Lass uns dazu annehmen, dass diese Menschenwürde etwas beschreibt, das zerbrechlich ist und behütet werden möchte. Wie könnte Arbeit diese Würde gefährden und zur Unzufriedenheit eines Menschen beitragen?

1. Die Arbeit ist sinnlos

Der Schweizer Philosoph Peter Bieri geht davon aus, dass Arbeit unsere Würde beschädigen kann, wenn diese sinnlos ist. So sei zum Beispiel die Würde von Juden verletzt geworden, die im Nationalsozialismus gezwungen wurden, die Straßen mit Zahnbürsten zu putzen (vgl. Bieri 2013, Seite 89).

Für Erwerbstätige in Europa mag die Sinnlosigkeit von Arbeit nicht mehr durch solche menschenverachtenden Taten und grausame Ausmaße erlebbar sein – sie ist so human geworden, dass sie auf den ersten Blick kaum auffällt. 

Wie sinnvoll ist die Arbeit für ein Unternehmen, das Produkte erzeugt, welche nicht wirklich gebraucht werden und lediglich dem Konsum dienen? Dabei könnten wir an Kunststoffprodukte denken, die einmal um die halbe Welt geschifft und in einem Ramschladen verkauft zu werden, um ein paar Stunden später im Müll zu landen.

Oder an Produkte von großen Konzernen, die für den westlichen Reichtum den Planeten zerstören.

Ich selbst arbeitete in einem großen Automobilkonzern. Irgendwann führte ich meine berufliche Unzufriedenheit darauf zurück, dass mein Job keinen Sinn macht. Was hat die Welt davon, wenn ich gemeinsam mit 2000 anderen Techniker*innen ein neues Auto entwickle, das genauso ist, wie all die anderen?

Wo versteckt sich Sinnlosigkeit in Deinem Berufsleben?

2. Die Arbeit lässt keinen Raum zum Leben

Wer bist Du, wenn neben Deiner Erwerbstätigkeit kein Raum mehr bleibt, um das Leben zu leben? Wenn keine Zeit mehr für das Lieben zur Verfügung ist und die Energie zum Lachen fehlt?

Bist Du vielleicht nicht mehr als ein moderner Sklave, der bis zum Limit gefordert ist, um die Lebenskosten tragen zu können? Lebenskosten, die nicht selten entstanden sind, weil uns die Karotte des Konsums vor die Augen gehalten wurde und die monatlichen Belastungen in die Höhe stiegen.

Kostet es Deine Würde, in einem System funktionieren zu müssen, ohne dem Du nicht überleben könntest?

3. Die Arbeit verletzt Deine Werte und Deine Identität

„Ich kann gezwungen werden, an Menschenversuchen teilzunehmen, für puren Profit Wälder abzuholzen, dumme und gefährlich Ideologie zu unterrichten. Das ist eine Entfremdung, die meine Würde zerstört“[1], gibt Peter Bieri in seiner Philosophie über die Vielfalt menschlicher Würde zu bedenken.

Auch wenn wir es gerne verdrängen, so hat jede’*r von uns Mitverantwortung für die Missstände auf unserem Planeten. Unsere Handlungen wirken konstruktiv oder destruktiv.

Wie viele Menschen leiden, weil sie durch ihre Arbeit auf subtile Weise ihre Würde verletzten? Nämlich indem sie Dinge tun, die ihr Selbstbild oder ihre Werte verletzten.

Oder anders ausgedrückt: Indem sie nicht den Platz einnehmen, den sie einnehmen möchten und nicht für das einstehen, was ihnen wirklich wichtig ist!

Lebst Du Dein Leben? Hast Du Deinen Platz eingenommen?

Wichtig ist zu verstehen, dass Menschen ihre eigene Würde verletzen können.

Immer dann, wenn Du einer Erwerbstätigkeit nachgehst, in der Du keinen Sinn erkennst, wenn Du gegen Deine Werte handelst oder unter dem Leistungsdruck nur noch funktionierst, gefährdest Du Deine Würde.

Vielleicht sind die Unzufriedenheit im Job, der berufliche Frust und die inneren Konflikte nur ein spürbares Alarmsignal, welches uns deutlich machen möchte, das der subtile Kern des Menschseins – unsere Würde – gefährdet ist.

Vielleicht führt der Weg zur Lebensfreude und zur Erfüllung über die Absicht, die eigene Würde und die unserer Mitmenschen zu bewahren.

Meine Fragen an Dich

  • Wo in Deinem Leben versteckt sich Sinnlosigkeit? Inwieweit macht Dich diese unzufrieden?
  • Bleibt neben Deiner Arbeit noch ausreichend Zeit für das Leben, das Lachen und die Liebe?
  • Wo und wie verletzt Du Deine Würde, weil Du nicht den Platz einnimmst, der Dir wirklich wichtig ist?
[1] Peter Bieri, Eine Art zu leben. Über die Vielfalt menschlicher Würde, München 2013, S. 89.

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